Ein Blick zurück in die Geschichte

 

 

Schwimmen im Main ist heute als Sportart aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich. Doch mit der Rekultivierung des Frankfurter Mainufers ist die Erinnerung an das sogenannte "Nizza" wiedererwacht.

 

Wichtig für die Entwicklung des Frankfurter Badewesens waren die Dr. Kohl’schen Badeschiffe an der Mühlinsel um das Jahr 1800. In ihnen wurden warme und kalte, natürliche und künstliche Bäder angeboten – allerdings handelte es sich dabei mehr um Wannenbäder als um Baden bzw. Schwimmen im Fluss. Aber: Der Main wurde so als Badestätte in der Frankfurter Bevölkerung etabliert.

 

 

Die erste offizielle Frankfurter Badeanstalt wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Jahr 1837 eröffnet. Ab 1846 gehörte der Schwimmunterricht zum Lehrplan der Frankfurter Volksschulen. "Extra für die Jugend" wurde eine eigene Badeanstalt für die Frankfurter Jugend eröffnet, wobei damit ausschließlich männliche Jugendliche gemeint waren. Mädchen waren damals vom Schwimmunterricht ausgeschlossen. 1883, als bereits 1500 Schüler den Schwimmunterricht genossen hatten, diskutierte die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung die Frage des Schwimmunterrichts für Mädchen. Schulinspektoren hatten ein Gutachten vorgelegt, das besagte "Klassenweises Baden ist dem weiblichen Charakter zuwider". Es sollte bis 1894 dauern, bis endlich auch Mädchen zum Schwimmunterricht durften.

 

Vom Baden über das Schwimmen entwickelte sich dann zum Ende des 19. Jahrhunderts der Schwimmsport. Ausgangspunkt war die Boot’sche Badeanstalt (später die Ochsen’sche Badeanstalt – Ochsen war der Schwiegersohn des ursprünglichen Besitzers, der später die private Badeanstalt übernahm) am Eisernen Steg. Junge Männer, denen das Baden nicht mehr genügte, gründeten 1891 den ersten Frankfurter Schwimmclub. 1892 fanden nationale Schwimmwettkämpfe in Frankfurt statt – die Wettkampfstrecken waren 600 m sowie 300 m mit und 300 m gegen den Strom. 1893 folgte die Gründung des ersten Höchster Schwimmclubs, der die Münch’sche Badeanstalt am Main nutzte. Ein weiterer Verein – Neptun – organisierte im Schleusenkanal auf der Schwanheimer Mainseite seinen Trainings- und Wettkampfbetrieb. Aber auch die Frauen entdeckten den Schwimmsport: 1909 gründete sich die Damenabteilung des 1. Frankfurter Schwimmclubs von 1891 und 1911 die Damenabteilung des 1. Höchster Schwimmclubs.

 

1909 wurden in Frankfurt 16 Schwimm- und Badeanstalten am Main gezählt, wobei die Badeanstalten sehr unterschiedlich waren. Das Niederräder Strandbad bot durch Sandaufschüttung seinen Badegästen einen "echten" Strand, andere Badeanstalten errichteten lediglich hölzerne Stege in den Fluss.

 

1923 entstand am Molenkopf im Osthafen dann ein öffentliches Bad, das allein durch seine Länge von 300 Metern nicht nur viele Schwimmer beeindruckte. Doch die imposanteste Anlage entstand in den 20er Jahren, als die Mosler’sche Badeanstalt den privat geführten Betrieb am nördlichen Mainufer mitten in der Stadt, im so genannten "Nizza", eröffnete. Mit über 500 Metern Länge war sie damals der größte Badebetrieb Deutschlands.

 

Die Moslers beschränken sich bald jedoch nicht mehr nur auf die Badeanstalt – es entstanden die "Mosler’schen Bade- und Sportbetriebe" auf dem Main bzw. am Mainufer. Neben dem Schwimmen konnte man Faustball spielen oder dem damals populären Boxen nachgehen. Die Attraktion der Mosler’schen Bade- und Sportbetriebe war eine 20 x 80 qm große Rollschuhbahn auf dem Main. 1940 wurden die Pontons der Rollschuhanlage dann jedoch für "Heereszwecke" abgebaut. Im März 1944 wurde die Mosler’sche Anlage dann bei den verheerenden Bombenangriffen auf Frankfurt vernichtet.

 

1953 folgte das endgültige Aus für die Sportler: Schwimmen im Main wurde verboten. Die Verschmutzung des Wassers und der stark zunehmende Schiffsverkehr erforderte den Rückzug aus dem Main in künstliche Sportstätten. Schwimmsport im Main ist in Frankfurt heute nur in einer kleinen Oase wie dem Schwedlersee möglich.

 

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